Hahnenschrei April / Mai 2026

Andacht

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele. (Hebräer 6,19)
„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Diesen bekannten Ausspruch fand ich eine ganze Zeit lang ziemlich komisch. Er wurde oft zitiert, wenn eine Sache aussichtslos erschien, und ich habe mich manchmal gefragt, was für einen Sinn er dann noch haben sollte. Irgendwann erkannte ich für mich, dass darin vielleicht die Hoffnung steckt, dass irgendwie doch noch etwas gut werden kann. Allerdings kann man diesen Spruch auch andersherum interpretieren: Da, wo schon alles andere tot erscheint, bleibt am Ende auch keine Hoffnung mehr.
Deshalb ist es gut und wichtig, dass wir auch in der Bibel Sprüche finden, die uns durchs Leben begleiten können. Zum Thema Hoffnung können wir dort auch noch lesen: „Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.“ (Römer 5,5). Ohne Hoffnung können wir nicht leben. Wir alle sehnen uns danach, dass etwas gut und schön ist in unserem Leben und dass wir auch in schwierigen Zeiten etwas haben, das uns weiterhelfen kann. Einen Anker, der uns hält und uns Sicherheit gibt.


Von diesem Anker schreibt Paulus im Brief an die Hebräer. Er bezieht sich hier auf ein Versprechen, das Gott Abraham gegeben hat: „Ich will dich mit meinem Segen segnen…“ (1. Mose 22,17). Gottes Segen, seine Nähe und Fürsorge in unserem Leben – das ist etwas, das wir vielen anderen Menschen voraus haben. Wir haben einen sicheren und festen Anker für unsere Seele. Wir dürfen die Hoffnung haben, dass in unserem Leben eines Tages alles gut wird, auch wenn es vielleicht gerade nicht so aussieht.
Unser Glaube an Gott, den Vater, und Jesus Christus, seinen Sohn, kann und soll der Ankerpunkt für unsere Seele sein, und das Vertrauen auf und in Vater und Sohn das feste Fundament unseres Lebens. Dann werden wir immer wieder Gottes Nähe, sein Geleit und seinen Segen in unserem Leben spüren, und wir dürfen in und aus der Hoffnung leben, dass Gott alles gut machen wird und dass er ein sicherer Ankerplatz in den Stürmen unseres Lebens ist.
Auch dann, wenn uns alles aussichtslos erscheint, wenn wir uns leer und alleingelassen fühlen, haben wir trotz allem einen sicheren und festen Anker für unsere Seele. Gott lässt uns nicht los, er ist da, egal was passiert. Auch wenn wir es vielleicht nicht merken, ist er ein Ankerplatz für unseren Hoffnungsanker. Wir dürfen in und aus einer Hoffnung leben, die eben niemals stirbt.
In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen für die kommende Zeit viel Hoffnung und Gottes reichen Segen.

Stefanie Hirsch (Gemeindepädagogin)

Hahnenschrei Februar/März

Andacht „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Offenbarung 21,5

Wer wünscht sich nicht manchmal in seinem Leben, dass bestimmtes „neu“ werden könnte: eine Situation, eine Beziehung, vielleicht sogar Aspekte an einem selbst oder gar manche Vergangenheit? Mitten in diese Sehnsucht hinein spricht die Jahreslosung, dass tatsächlich etwas neu werden kann. Doch wenn wir nach Veränderung suchen, gerade am Jahreswechsel, meinen wir oft, wir müssten uns mehr anstrengen, optimieren, verbessern und gute Vorsätze endlich einhalten. Aber das Evangelium Jesu Christi nimmt uns diesen Druck. Denn das wirklich Neue kommt nicht aus eigener Anstrengung, sondern es kommt von Gott, von dem, der auf dem Thron sitzt. Derjenige, der gutes Neues schafft, sind also nicht wir, es ist unser liebender Vater im Himmel.

Das griechische Wort, das hier mit „neu“ übersetzt wird, meint weit mehr als eine Reparatur oder Ausbesserung. Es beschreibt eine tiefgreifende Verwandlung, etwas, das wirklich von Grund auf neu wird. Das lässt sich anschaulich machen mit einem schönem Bild: Eine Raupe wird zum Schmetterling. Die Raupe wird nicht repariert, nicht ein bisschen ausgebessert, nicht optimiert. Sie wird verwandelt. Das Neue ist der Schmetterling, ohne das Vorherige zu verwerfen, - es gehört irgendwie dazu. Genau so meint die Jahreslosung Neuwerden: nicht ein paar Verbesserungen, sondern echte und tiefgreifende Verwandlung.

Manchmal verunsichert es uns, dass wir Gottes Veränderung an anderen oder an uns selbst nicht so sehen, wie wir es gerne hätten. Oft wünschen wir uns sichtbare Zeichen, klare Hinweise, schnelle Ergebnisse. Doch was mich tröstet und mir hilft: gute Veränderungen geschehen selten von heute auf morgen, sondern im Laufe der Zeit. Und solche Veränderungsprozesse beginnen in unserem Inneren, im Herzen. Zunächst verborgen, unscheinbar, unsichtbar – so wie die Verwandlung der Raupe im Kokon – wirkt Gott häufig auch an uns.

Dabei können durchaus manche Höhen und manche Tiefen unseres Lebensweges bewusste Werkzeuge Gottes sein, mit denen er an uns arbeitet, uns formt, uns innerlich reifen und heil werden lassen möchte. Manches an innerer Erneuerung und Heilung können wir schon in diesem Leben sehen und schmecken. Manches aber bleibt zunächst offen, doch es wird, wenn wir eines Tages im Himmel sein werden, seinen krönenden und triumphierenden Abschluss finden. Dann wird die letzte Träne geheilt und jeder Makel beseitigt sein. Und mit dieser Hoffnung können wir zuversichtlich in das neue Jahr gehen: weil wir wissen, Gott kommt mit uns zurecht und hat gute Pläne und Gedanken mit jedem Einzelnen. Er vollendet, was er begonnen hat.

Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Dezember 2025 / Januar 2026

Monatsspruch: Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Mal 3,20

Zwei Gedanken drängen sich mir beim Lesen des Monatsspruchs für den Dezember auf. Erstens: das bekannte Gesangbuchlied „Sonne der Gerechtigkeit“. Es ist ein gesungenes Gebet, jede Strophe eine Bitte, in der es um eine lebendige, missionarische und ökumenisch offene Kirche geht. Es geht darum, dass die „tote Christenheit“ aus ihrem Schlaf geweckt werden möge. Es geht um die Überwindung der „Zertrennung“, die wir heute in unterschiedlichen Glaubensströmungen erleben. Und es geht um die weltweite Ausbreitung des Evangeliums.
Der zweite Gedanke ist eigentlich ein Bild: Eine Vogelmutter in ihrem Nest, unter den Flügeln verborgen ihre Küken, dort, wo sie geschützt und heil bleiben. Gott verheißt uns Geborgenheit, Heilung und Schutz. „Euch, die ihr meinen Namen fürchtet…“, diese Worte haben etwas mit Ehrfurcht zu tun. Denen, die Gott ehren, wird es gut gehen. Für sie soll die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.
Die Sonne ist das Licht unserer irdischen Welt. Ohne sie gäbe es kein Leben auf der Erde. „Licht der Welt“ ist aber auch ein Name für Jesus Christus. In dem alten Weihnachtslied „Dies ist die Nacht, da mir erschienen…“ heißt es in einem Vers: „Drum Jesu, schöne Weihnachtssonne, bescheine mich mit deiner Gunst…“ Jesus Christus ist die Sonne in unserem Leben. Auf ihn weist der Prophet Maleachi hin, wenn er von der Sonne der Gerechtigkeit spricht. Ein uralter Text und doch so aktuell.
Die „Sonne der Gerechtigkeit“ kommt in unsere Zeit mit all ihren Problemen in der Welt und auch innerhalb der Kirche. Ich denke, man kann manchmal schon von einer „toten Christenheit“ sprechen, wenn sogar innerhalb der christlichen Gemeinden an vielen Stellen Gleichgültigkeit gegenüber den anderen, der Gedanke an das eigene Wohlbefinden und ein Desinteresse an Gott und seinem Wort an der Tagesordnung sind. Wir sind bequem geworden, wo wir aktiv sein sollten.
Für mich steht hinter der Weihnachtsgeschichte nicht nur die frohe Botschaft, dass Gott seinen Sohn zu uns in die Welt geschickt hat, sondern auch die Aufforderung, etwas zu tun – für Gott und seinen Sohn. Gottes Namen fürchten – das bedeutet, ihm Ehrfurcht entgegenzubringen, Respekt und Liebe. Es bedeutet, zu handeln, die frohe Botschaft von Weihnachten unter die Leute zu bringen. Gottes Wort weiterzugeben, ohne über Unterschiede im Glauben nachzudenken. Es kommt ja nicht darauf an, wie man glaubt, sondern, dass man glaubt. Und dazu können wir viel beitragen. Stefanie Hirsch

Hahnenschrei Sept/Okt/Nov

Andacht - Monatsspruch: Gott ist unsre Zuversicht und Stärke. Psalm 46,2

Vermutlich jeder Mensch kommt irgendwann in schwierige und bedrängende Lebenslagen. Als Christen und als Gemeinde wollen wir gerade in herausfordernden Situationen Ansprechpartner und Wegbegleiter sein. Darum steht wieder auf der Titelseite unseres Gemeindeblatts der Hinweis „Offene Kirche“. Auch wenn unsere Kirchen nicht immer buchstäblich geöffnet sein können, so wollen sie doch einladen und darauf hinweisen, dass es jemanden gibt, der in der Not und mancher Lebenstiefe angesprochen werden kann. Wir laden herzlich ein, uns anzusprechen und bei unseren Veranstaltungen dabei zu sein. Wir wollen alle mit einer guten und klaren Botschaft – dem Evangelium Jesu Christi – beistehen und ermutigen. Weil wir wissen, dass menschliche Hilfe ihre Grenzen hat, zeigen wir eine größere Perspektive.

Daher schöpfen wir selber aus der übernatürlichen Kraftquelle Gottes und verweisen jeden Dürstenden und Bedürftigen darauf. Wir laden ein, ebenfalls erfrischend die Liebe Gottes „zu trinken“. Das ist auch das Anliegen des Monatsspruchs: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Psalm 46,2“. Nicht menschliche Worte oder Zusprüche oder Gedanken wollen uns Erquickung und Trost sein, sondern Gott selber, der liebevolle, kreative Schöpfer und barmherzige Vater im Himmel.

Wir als Kirche und Christen sind daher in erster Linie Vermittler, Botschafter an Christi statt. Wir können zuhören, so dass Menschen gehört werden und ihre Last ein wenig ablegen können. Wir können schauen und prüfen, was Gott in seinem Wort zu konkreten Umständen sagt. Und wir können gemeinsam und füreinander beten und Gott um Hilfe bitten. Und auch im Gebet hören, ob Gott mit einem Impuls in die aktuelle Lebenssituation prophetisch hineinspricht.

Und wir als Christen und Kirche sind Zeugen. Wir bezeugen, was wir mit Gott erlebt haben und wie Gott uns selber immer wieder in Krisen beigestanden hat. Wir zeugen zugleich davon, dass das Leben auch als Christ Tiefen und Nöte beinhaltet und auch manche Wegführungen Gottes enthält, die wir nicht verstehen. Wir Christen sind keine besseren Menschen, aber wir haben einen übernatürlichen Halt und einen lebendigen Gott, der uns immer wieder beisteht. Das haben wir erfahren und das wollen wir weitergeben! Zuversichtlich, Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Juni/Juli/August

Andacht

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Philipper 4,6

„Sorgt euch um nichts“ – leicht gesagt in der heutigen Zeit, in der alles immer teurer wird, die politische Lage undurchsichtig ist und insgesamt alles irgendwie schwierig erscheint, oder? „Sorgt euch um nichts, sondern kommt mit allem, was euch beschäftigt und bewegt, zu Gott!“, so empfiehlt es Paulus den Gemeindegliedern in Philippi. „Und dankt Gott für das, was er euch gegeben hat!“.

Bitten und Wünsche fallen uns schnell ein – oft mehr als genug. Sorgen und Probleme sind an der Tagesordnung, und da gerät der Dank leicht in den Hintergrund. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, antworte ich meist automatisch mit „Gut“, aber im Hinterkopf fallen mir Dinge ein, die eben nicht so gut sind und über die ich eigentlich gern jammern würde. Wenn ich später darüber nachdenke, ärgere ich mich manchmal über diese Gedanken, denn eigentlich geht es mir doch gut. Okay, ich muss nach meiner Augen-OP noch ein bisschen Geduld haben, bis alles wieder ganz in Ordnung ist, aber ich habe sofort und zu meinem Wunschtermin einen OP-Termin bekommen – das ist doch ein Grund zum Danken, oder? Auch dafür, dass alles gut verlaufen ist, kann ich dankbar sein. Aber manchmal stehen das noch etwas unscharfe Sichtbild und die brennenden Augen im Vordergrund – die Sorge eben.

Vor vielen Jahren, als ich in einer Situation war, die mir wirklich große Not bereitet hat, bin ich in der Bibel auf einen Spruch gestoßen, der für mich bis heute eine wunderbare Zusage ist und unseren Monatsspruch ergänzt: „Darum sage ich euch: Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten.“ (Markus 11,24) Für mich bedeutet das: Ich kann meinem Gott alles sagen – er wird mir helfen, auch wenn ich es noch nicht sehen kann. Vielleicht werden nicht alle meine Gebete sofort auf spektakuläre Weise erhört, aber Gott hört sie, und er hilft mir weiter in meinen Sorgen und Nöten, wenn ich nur auf ihn vertraue und auch mit Dank und Lob zu ihm komme.
Wenn ich mich mit meinen Nächsten unterhalte, dann bombardiere ich sie ja auch nicht nur mit Bitten, sondern wir tauschen uns offen und ehrlich aus und danken einander auch dafür, dass wir füreinander da sind. Und eigentlich ist Gott uns doch noch viel näher, oder?
Stefanie Hirsch, Gemeindepädagogin

Hahnenschrei April/Mai

„Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“, Lukas 11,13.

Feiern wir dieses Jahr ein persönliches Pfingstfest,
Pfr. Martin Wappler

 

Hahnenschrei Februar / März 2025

Andacht

„Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt." (Jahreslosung, 1Timotheus 5,21-22)

Prüft alles! Ausnahmslos. Es ist nicht alles gut. Damit ist Hinreichendes und Tiefgründiges ebenfalls zu jeder Wahl gesagt. Paulus geht es in dieser Aufforderung an die Gemeinde jedoch nicht um einen kritischen Geist. Es geht ihm nicht um die Untugend, Fehler oder Unvollkommenheiten anderer zu suchen und anzuprangern. Jeder hat seine eigenen Macken. Darauf sollen wir gerade nicht den Blick lenken, sondern auf das Gute, wie es an anderer Stelle ausführlicher lautet: „Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8).

Wenn dieser Appell zur sorgfältigen Prüfung schon damals dringlich war, wie viel mehr ist er es heute, in unserer oberflächlichen Zeit voller Verführungen? Für Paulus war der Maßstab – anders als heute – felsenfest: das Wort Gottes, die Bibel! Das Hauptkennzeichen eines sündigen Menschen ist aber, dass er selbst Gott sein will und bestimmen möchte, was recht und gut ist und was nicht. Heute fällt das Urteil oft entweder nach dem Gefühl – das hat mir gefallen oder darüber habe ich mich geärgert – oder nach dem eigenen Denkhorizont (nicht selten beeinflusst durch den Mainstream oder die eigene Meinungsblase). Das ist unzuverlässig. Gefühle ändern sich, und der Denkhorizont kann erweitert werden. Auch die Masse und selbst Konzile können irren – das wusste schon Luther. Daher muss unser Bezugspunkt zur Urteilsbildung außerhalb von uns und außerhalb der Beeinflussung durch Menschen liegen und in Gott selbst begründet sein. Jesus selbst gründete sich in den göttlichen Worten und benutzte die Schrift, um dem Versucher zu widerstehen: „Es steht geschrieben!“. Ein altes Lineal kann beispielsweise nicht zuverlässig zur Eichung eines neuen Lineals verwendet werden. Es könnte bereits ungenau sein. So können menschliche Meinungen oder überhaupt „Alles“ nur mit einem objektiven, zeitlosen und absolut verbindlichen Maßstab geprüft und beurteilt werden: Gottes Wort.

Daran lasst uns alles messen – nicht um das Haar in der Suppe zu finden, sondern um das Gute zu behalten. Denn nicht selten tarnt sich Böses als gut und Verführer als vermeintliche „Helfer“, und umgekehrt erscheint uns manches Gute zunächst nicht unbedingt angenehm. Eine notwendige medizinische Behandlung mag unbequem sein oder konstruktive Kritik zunächst verletzen, aber dennoch uns später dauerhaft weiterbringen. Und manche politische Propaganda oder Werbung entpuppt sich bald als heiße Luft. Nehmen wir es daher 2025 genau und prüfen alles anhand der Schrift. Nehmen wir unsere Bibel täglich zur Hand und erweitern und schärfen unseren Blick!

Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Dezemer / Januar 2025

„Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ (Jesaja 60,1)

Der Monatsspruch für den Dezember ist ein Bibelwort, das wir sofort, wenn wir es hören, mit der Adventszeit verbinden. Fragt man nach der Bedeutung, dann denken wir zuerst an die Aufforderung, das Licht der Liebe, welches Christus mit seiner Geburt in unser Leben bringt, an andere weiter zu geben.

Schaut man sich diesen Spruch aber genauer an, dann steckt dort etwas anderes drin. „Werde licht!“ – nein, das ist kein Tippfehler, ich habe hier das Substantiv nicht aus Versehen klein geschrieben, es steht schon so im Bibeltext und damit wandelt sich die Bedeutung: Wir sollen nicht zuerst zum Licht für andere werden, wir sollen bei uns selbst anfangen.

Das Adjektiv „licht“ kommt in unserem Alltag eher selten vor. Manchmal sagen wir „der hatte einen lichten Moment“, wenn jemand einen guten Einfall hatte oder „da ist eine lichte Stelle im Wald“, wenn wir auf einem Spaziergang sehen, wie der Sonnenschein durch die Baumkronen fällt. „licht“ bedeutet so viel wie „hell, leuchtend, strahlend“. Wenn wir also aufgefordert werden „Mache dich auf und werde licht!“, dann sollen wir dafür sorgen, dass es in unserer Seele hell ist. Wir sollen uns bereit machen für die Ankunft von Christus in unserem Leben.

Und erst wenn es in uns selbst hell ist, können wir das Licht, das uns erfüllt, an andere weitergeben. Wenn dieser Vers am Beginn der Adventszeit steht, dann ist das auch eine Aufforderung, diese Zeit gut zu nutzen. Wir sollten uns trotz all dem Stress bewusst auf das vorbereiten, was der eigentliche Sinn des „Christfestes“ ist. Nehmen wir uns Zeit für die alten schönen Bibeltexte und Advents- und Weihnachtslieder, die es hell werden lassen können in uns. Machen wir uns bereit dazu, Jesus Christus in unserem Herzen aufzunehmen.
Stefanie Hirsch

Hahnenschrei September / Oktober / November

Andacht: Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1.Joh 1,9

Den meisten Menschen sind ihre Sünden nicht vergeben, weil sie nie darum gebeten haben. Sie tragen ihre Schuld mit sich herum und werden sich dafür vor Gott eines Tages verantworten müssen (Mt 12,36; Röm 12,14; 1Petr 4,5). Vielen wird dies zwar nicht präsent sein, aber das ändert nichts an den Tatsachen.
Denken wir beispielsweise ans Autofahren: Wenn eines Tages ein Anhörungsbogen im Briefkasten liegt mit Blitzerfoto, Datum und Uhrzeit, dann spielt es keine Rolle, ob der Betreffende sich schuldig fühlt oder nicht, die StVO gut findet oder ignoriert, - er muss dazu Stellung nehmen. So ähnlich wird es mit Gott sein: Ob ihn jemand gut findet oder für unwirklich hält, seine Gebote kennt oder verachtet, spätestens nach dem Sterben gibt es eine Anhörung vor dem allmächtigen Richter. Wer für schuldig befunden wird, wird verurteilt – ewige Verdammnis. Das ist gerecht! Menschen kommen übrigens nicht in die Hölle weil sie Sünder sind, sondern weil sie ihre Sünden nicht bereuen!
Im deutschen Verkehrsrecht gibt es keine Vergebung, aber bei Jesus Christus. Wer Gott im Namen Jesu um Vergebung bittet, dem wird vergeben (1.Joh 1,9). Voraus geht die Erkenntnis, etwas verkehrt gemacht zu haben. Diese Einsicht fällt nicht nur Kindern schwer, weil es aufrichtiger Demut bedarf. Ein stolzes Herz ist daher das größte Hindernis für gute Beziehungen sowohl zu Menschen als auch zu Gott. Da der Stolze seine Versagen nicht (ein)sieht, kann ihm nicht vergeben werden. Er wird Gott selbst in der Hölle noch beschimpfen und die Schuld auf andere schieben.
Vergebung ist etwas Wunderbares und öffnet himmlische Türen und irdische Herzen! Die Welt hätte ein freundlicheres Gesicht, wenn Einsicht, Demut, Umkehr und Vergebung nicht nur gepredigt, gefordert, sondern täglich im Kleinen wie im Großen gelebt wird. Wir laden zu unseren Veranstaltungen ein, ein herzliches und demütiges Miteinander zu pflegen, die Worte des Vaterunsers „und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Mt 6,12“ zu praktizieren, Buße zu tun (siehe Buß- und Bettag) als auch für den Frieden einzutreten (u. a. Friedensdekade) und nicht mit den Finger auf andere zu zeigen (unsere Großeltern wussten das noch). Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Juni/Juli/August

Andacht zum Monatsspruch

Mose sagte: Fürchtet Euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet! (2. Mose 14,13)

Das Volk Israel hatte Ägypten verlassen. Die Sklaverei lag hinter ihnen, der Weg ins gelobte Land erstreckte sich vor ihnen. Doch nun ging es nicht mehr weiter. Der Weg war versperrt, vor ihnen erstreckte sich eine endlose, unüberwindliche Wasserfläche – das Schilfmeer. Und hinter ihnen nahten die Ägypter. Pharao wollte seine Sklaven zurückhaben. Angst machte sich breit unter den Israeliten, Vorwürfe gegen Mose wurden laut. Doch Mose blieb ruhig. In all die Aufregung hinein sprach er die Worte, die uns durch den Monat Juni begleiten sollen: „Habt keine Angst, bleibt ruhig, überlasst Gott das Handeln, er weiß, was zu tun ist!“.
Ruhig bleiben, einen Anderen machen lassen, das ist gar nicht leicht, wenn man das Gefühl hat, dass Gefahr im Verzug ist, dass eine Krise bevorsteht. Mir geht es so, dass ich gerade dann das Gefühl habe, unbedingt selbst etwas tun zu müssen. Und sicher ging das damals auch den Israeliten so, sie wollten kämpfen, fliehen, ihre Kinder und ihre Lieben beschützen. Und Mose verlangte von ihnen, ruhig zu bleiben und zuzuschauen. Schon längst hatte er Gott alles in die Hände gelegt und er hatte ein großes Vertrauen und einen tiefen Glauben zu seinem Herrn.
Mir stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit diesen Worten des Mose um? Für mich wird deutlich: Gott will uns Mut machen! Er will nicht, dass wir in kritischen Situationen die Nerven verlieren oder in hektische Aktivitäten verfallen. Das alles hilft nicht weiter. Eigentlich kommt es dann darauf an, die Probleme an Gott abzugeben und selbst nichts zu tun, still zu sein, Gott sozusagen zuzusehen, ihn machen zu lassen. Aber das geht den meisten gegen den Strich. Nichts tun zu können, geduldig sein zu müssen, kann deprimierend sein. Um uns herum wird ja eher erwartet, aktiv zu sein, die Dinge in die Hand zu nehmen, eben nicht passiv abzuwarten.
Mir fallen da die Zeilen eines Liedes ein, die diese Aufforderung aufnehmen: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ Ein tiefes Vertrauen steckt in diesen Zeilen. Gottes Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Bescheidenheit, sondern von Unglauben! Gott weiß in allen unseren Lebenslagen, was zu tun ist und er hat uns seinen Sohn, Jesus Christus, an die Seite gestellt. Jesus Christus ist der Grund- und Eckstein im Leben jedes Glaubenden. Dieser Stein ist vielfach bewährt.
Wenn man jemandem vertrauen kann, dann IHM! Wer an Jesus Christus glaubt und ihm vertraut, ist weder ängstlich, noch eilig darum bemüht, sich selbst zu helfen! Wer dieses Vertrauen aufbringen und sein Leben in Gottes Hände legen kann, der darf immer wieder zuschauen und mit offenen Augen und offenem Herzen die Rettung erleben, die Gott uns schenkt.
Stefanie Hirsch, Gemeindepädagogin