Hahnenschrei Dezember 2025 / Januar 2026

Monatsspruch: Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Mal 3,20

Zwei Gedanken drängen sich mir beim Lesen des Monatsspruchs für den Dezember auf. Erstens: das bekannte Gesangbuchlied „Sonne der Gerechtigkeit“. Es ist ein gesungenes Gebet, jede Strophe eine Bitte, in der es um eine lebendige, missionarische und ökumenisch offene Kirche geht. Es geht darum, dass die „tote Christenheit“ aus ihrem Schlaf geweckt werden möge. Es geht um die Überwindung der „Zertrennung“, die wir heute in unterschiedlichen Glaubensströmungen erleben. Und es geht um die weltweite Ausbreitung des Evangeliums.
Der zweite Gedanke ist eigentlich ein Bild: Eine Vogelmutter in ihrem Nest, unter den Flügeln verborgen ihre Küken, dort, wo sie geschützt und heil bleiben. Gott verheißt uns Geborgenheit, Heilung und Schutz. „Euch, die ihr meinen Namen fürchtet…“, diese Worte haben etwas mit Ehrfurcht zu tun. Denen, die Gott ehren, wird es gut gehen. Für sie soll die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.
Die Sonne ist das Licht unserer irdischen Welt. Ohne sie gäbe es kein Leben auf der Erde. „Licht der Welt“ ist aber auch ein Name für Jesus Christus. In dem alten Weihnachtslied „Dies ist die Nacht, da mir erschienen…“ heißt es in einem Vers: „Drum Jesu, schöne Weihnachtssonne, bescheine mich mit deiner Gunst…“ Jesus Christus ist die Sonne in unserem Leben. Auf ihn weist der Prophet Maleachi hin, wenn er von der Sonne der Gerechtigkeit spricht. Ein uralter Text und doch so aktuell.
Die „Sonne der Gerechtigkeit“ kommt in unsere Zeit mit all ihren Problemen in der Welt und auch innerhalb der Kirche. Ich denke, man kann manchmal schon von einer „toten Christenheit“ sprechen, wenn sogar innerhalb der christlichen Gemeinden an vielen Stellen Gleichgültigkeit gegenüber den anderen, der Gedanke an das eigene Wohlbefinden und ein Desinteresse an Gott und seinem Wort an der Tagesordnung sind. Wir sind bequem geworden, wo wir aktiv sein sollten.
Für mich steht hinter der Weihnachtsgeschichte nicht nur die frohe Botschaft, dass Gott seinen Sohn zu uns in die Welt geschickt hat, sondern auch die Aufforderung, etwas zu tun – für Gott und seinen Sohn. Gottes Namen fürchten – das bedeutet, ihm Ehrfurcht entgegenzubringen, Respekt und Liebe. Es bedeutet, zu handeln, die frohe Botschaft von Weihnachten unter die Leute zu bringen. Gottes Wort weiterzugeben, ohne über Unterschiede im Glauben nachzudenken. Es kommt ja nicht darauf an, wie man glaubt, sondern, dass man glaubt. Und dazu können wir viel beitragen. Stefanie Hirsch

Hahnenschrei Sept/Okt/Nov

Andacht - Monatsspruch: Gott ist unsre Zuversicht und Stärke. Psalm 46,2

Vermutlich jeder Mensch kommt irgendwann in schwierige und bedrängende Lebenslagen. Als Christen und als Gemeinde wollen wir gerade in herausfordernden Situationen Ansprechpartner und Wegbegleiter sein. Darum steht wieder auf der Titelseite unseres Gemeindeblatts der Hinweis „Offene Kirche“. Auch wenn unsere Kirchen nicht immer buchstäblich geöffnet sein können, so wollen sie doch einladen und darauf hinweisen, dass es jemanden gibt, der in der Not und mancher Lebenstiefe angesprochen werden kann. Wir laden herzlich ein, uns anzusprechen und bei unseren Veranstaltungen dabei zu sein. Wir wollen alle mit einer guten und klaren Botschaft – dem Evangelium Jesu Christi – beistehen und ermutigen. Weil wir wissen, dass menschliche Hilfe ihre Grenzen hat, zeigen wir eine größere Perspektive.

Daher schöpfen wir selber aus der übernatürlichen Kraftquelle Gottes und verweisen jeden Dürstenden und Bedürftigen darauf. Wir laden ein, ebenfalls erfrischend die Liebe Gottes „zu trinken“. Das ist auch das Anliegen des Monatsspruchs: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Psalm 46,2“. Nicht menschliche Worte oder Zusprüche oder Gedanken wollen uns Erquickung und Trost sein, sondern Gott selber, der liebevolle, kreative Schöpfer und barmherzige Vater im Himmel.

Wir als Kirche und Christen sind daher in erster Linie Vermittler, Botschafter an Christi statt. Wir können zuhören, so dass Menschen gehört werden und ihre Last ein wenig ablegen können. Wir können schauen und prüfen, was Gott in seinem Wort zu konkreten Umständen sagt. Und wir können gemeinsam und füreinander beten und Gott um Hilfe bitten. Und auch im Gebet hören, ob Gott mit einem Impuls in die aktuelle Lebenssituation prophetisch hineinspricht.

Und wir als Christen und Kirche sind Zeugen. Wir bezeugen, was wir mit Gott erlebt haben und wie Gott uns selber immer wieder in Krisen beigestanden hat. Wir zeugen zugleich davon, dass das Leben auch als Christ Tiefen und Nöte beinhaltet und auch manche Wegführungen Gottes enthält, die wir nicht verstehen. Wir Christen sind keine besseren Menschen, aber wir haben einen übernatürlichen Halt und einen lebendigen Gott, der uns immer wieder beisteht. Das haben wir erfahren und das wollen wir weitergeben! Zuversichtlich, Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Juni/Juli/August

Andacht

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Philipper 4,6

„Sorgt euch um nichts“ – leicht gesagt in der heutigen Zeit, in der alles immer teurer wird, die politische Lage undurchsichtig ist und insgesamt alles irgendwie schwierig erscheint, oder? „Sorgt euch um nichts, sondern kommt mit allem, was euch beschäftigt und bewegt, zu Gott!“, so empfiehlt es Paulus den Gemeindegliedern in Philippi. „Und dankt Gott für das, was er euch gegeben hat!“.

Bitten und Wünsche fallen uns schnell ein – oft mehr als genug. Sorgen und Probleme sind an der Tagesordnung, und da gerät der Dank leicht in den Hintergrund. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, antworte ich meist automatisch mit „Gut“, aber im Hinterkopf fallen mir Dinge ein, die eben nicht so gut sind und über die ich eigentlich gern jammern würde. Wenn ich später darüber nachdenke, ärgere ich mich manchmal über diese Gedanken, denn eigentlich geht es mir doch gut. Okay, ich muss nach meiner Augen-OP noch ein bisschen Geduld haben, bis alles wieder ganz in Ordnung ist, aber ich habe sofort und zu meinem Wunschtermin einen OP-Termin bekommen – das ist doch ein Grund zum Danken, oder? Auch dafür, dass alles gut verlaufen ist, kann ich dankbar sein. Aber manchmal stehen das noch etwas unscharfe Sichtbild und die brennenden Augen im Vordergrund – die Sorge eben.

Vor vielen Jahren, als ich in einer Situation war, die mir wirklich große Not bereitet hat, bin ich in der Bibel auf einen Spruch gestoßen, der für mich bis heute eine wunderbare Zusage ist und unseren Monatsspruch ergänzt: „Darum sage ich euch: Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten.“ (Markus 11,24) Für mich bedeutet das: Ich kann meinem Gott alles sagen – er wird mir helfen, auch wenn ich es noch nicht sehen kann. Vielleicht werden nicht alle meine Gebete sofort auf spektakuläre Weise erhört, aber Gott hört sie, und er hilft mir weiter in meinen Sorgen und Nöten, wenn ich nur auf ihn vertraue und auch mit Dank und Lob zu ihm komme.
Wenn ich mich mit meinen Nächsten unterhalte, dann bombardiere ich sie ja auch nicht nur mit Bitten, sondern wir tauschen uns offen und ehrlich aus und danken einander auch dafür, dass wir füreinander da sind. Und eigentlich ist Gott uns doch noch viel näher, oder?
Stefanie Hirsch, Gemeindepädagogin

Hahnenschrei April/Mai

„Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“, Lukas 11,13.

Feiern wir dieses Jahr ein persönliches Pfingstfest,
Pfr. Martin Wappler

 

Hahnenschrei Februar / März 2025

Andacht

„Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt." (Jahreslosung, 1Timotheus 5,21-22)

Prüft alles! Ausnahmslos. Es ist nicht alles gut. Damit ist Hinreichendes und Tiefgründiges ebenfalls zu jeder Wahl gesagt. Paulus geht es in dieser Aufforderung an die Gemeinde jedoch nicht um einen kritischen Geist. Es geht ihm nicht um die Untugend, Fehler oder Unvollkommenheiten anderer zu suchen und anzuprangern. Jeder hat seine eigenen Macken. Darauf sollen wir gerade nicht den Blick lenken, sondern auf das Gute, wie es an anderer Stelle ausführlicher lautet: „Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8).

Wenn dieser Appell zur sorgfältigen Prüfung schon damals dringlich war, wie viel mehr ist er es heute, in unserer oberflächlichen Zeit voller Verführungen? Für Paulus war der Maßstab – anders als heute – felsenfest: das Wort Gottes, die Bibel! Das Hauptkennzeichen eines sündigen Menschen ist aber, dass er selbst Gott sein will und bestimmen möchte, was recht und gut ist und was nicht. Heute fällt das Urteil oft entweder nach dem Gefühl – das hat mir gefallen oder darüber habe ich mich geärgert – oder nach dem eigenen Denkhorizont (nicht selten beeinflusst durch den Mainstream oder die eigene Meinungsblase). Das ist unzuverlässig. Gefühle ändern sich, und der Denkhorizont kann erweitert werden. Auch die Masse und selbst Konzile können irren – das wusste schon Luther. Daher muss unser Bezugspunkt zur Urteilsbildung außerhalb von uns und außerhalb der Beeinflussung durch Menschen liegen und in Gott selbst begründet sein. Jesus selbst gründete sich in den göttlichen Worten und benutzte die Schrift, um dem Versucher zu widerstehen: „Es steht geschrieben!“. Ein altes Lineal kann beispielsweise nicht zuverlässig zur Eichung eines neuen Lineals verwendet werden. Es könnte bereits ungenau sein. So können menschliche Meinungen oder überhaupt „Alles“ nur mit einem objektiven, zeitlosen und absolut verbindlichen Maßstab geprüft und beurteilt werden: Gottes Wort.

Daran lasst uns alles messen – nicht um das Haar in der Suppe zu finden, sondern um das Gute zu behalten. Denn nicht selten tarnt sich Böses als gut und Verführer als vermeintliche „Helfer“, und umgekehrt erscheint uns manches Gute zunächst nicht unbedingt angenehm. Eine notwendige medizinische Behandlung mag unbequem sein oder konstruktive Kritik zunächst verletzen, aber dennoch uns später dauerhaft weiterbringen. Und manche politische Propaganda oder Werbung entpuppt sich bald als heiße Luft. Nehmen wir es daher 2025 genau und prüfen alles anhand der Schrift. Nehmen wir unsere Bibel täglich zur Hand und erweitern und schärfen unseren Blick!

Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Dezemer / Januar 2025

„Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ (Jesaja 60,1)

Der Monatsspruch für den Dezember ist ein Bibelwort, das wir sofort, wenn wir es hören, mit der Adventszeit verbinden. Fragt man nach der Bedeutung, dann denken wir zuerst an die Aufforderung, das Licht der Liebe, welches Christus mit seiner Geburt in unser Leben bringt, an andere weiter zu geben.

Schaut man sich diesen Spruch aber genauer an, dann steckt dort etwas anderes drin. „Werde licht!“ – nein, das ist kein Tippfehler, ich habe hier das Substantiv nicht aus Versehen klein geschrieben, es steht schon so im Bibeltext und damit wandelt sich die Bedeutung: Wir sollen nicht zuerst zum Licht für andere werden, wir sollen bei uns selbst anfangen.

Das Adjektiv „licht“ kommt in unserem Alltag eher selten vor. Manchmal sagen wir „der hatte einen lichten Moment“, wenn jemand einen guten Einfall hatte oder „da ist eine lichte Stelle im Wald“, wenn wir auf einem Spaziergang sehen, wie der Sonnenschein durch die Baumkronen fällt. „licht“ bedeutet so viel wie „hell, leuchtend, strahlend“. Wenn wir also aufgefordert werden „Mache dich auf und werde licht!“, dann sollen wir dafür sorgen, dass es in unserer Seele hell ist. Wir sollen uns bereit machen für die Ankunft von Christus in unserem Leben.

Und erst wenn es in uns selbst hell ist, können wir das Licht, das uns erfüllt, an andere weitergeben. Wenn dieser Vers am Beginn der Adventszeit steht, dann ist das auch eine Aufforderung, diese Zeit gut zu nutzen. Wir sollten uns trotz all dem Stress bewusst auf das vorbereiten, was der eigentliche Sinn des „Christfestes“ ist. Nehmen wir uns Zeit für die alten schönen Bibeltexte und Advents- und Weihnachtslieder, die es hell werden lassen können in uns. Machen wir uns bereit dazu, Jesus Christus in unserem Herzen aufzunehmen.
Stefanie Hirsch

Hahnenschrei September / Oktober / November

Andacht: Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1.Joh 1,9

Den meisten Menschen sind ihre Sünden nicht vergeben, weil sie nie darum gebeten haben. Sie tragen ihre Schuld mit sich herum und werden sich dafür vor Gott eines Tages verantworten müssen (Mt 12,36; Röm 12,14; 1Petr 4,5). Vielen wird dies zwar nicht präsent sein, aber das ändert nichts an den Tatsachen.
Denken wir beispielsweise ans Autofahren: Wenn eines Tages ein Anhörungsbogen im Briefkasten liegt mit Blitzerfoto, Datum und Uhrzeit, dann spielt es keine Rolle, ob der Betreffende sich schuldig fühlt oder nicht, die StVO gut findet oder ignoriert, - er muss dazu Stellung nehmen. So ähnlich wird es mit Gott sein: Ob ihn jemand gut findet oder für unwirklich hält, seine Gebote kennt oder verachtet, spätestens nach dem Sterben gibt es eine Anhörung vor dem allmächtigen Richter. Wer für schuldig befunden wird, wird verurteilt – ewige Verdammnis. Das ist gerecht! Menschen kommen übrigens nicht in die Hölle weil sie Sünder sind, sondern weil sie ihre Sünden nicht bereuen!
Im deutschen Verkehrsrecht gibt es keine Vergebung, aber bei Jesus Christus. Wer Gott im Namen Jesu um Vergebung bittet, dem wird vergeben (1.Joh 1,9). Voraus geht die Erkenntnis, etwas verkehrt gemacht zu haben. Diese Einsicht fällt nicht nur Kindern schwer, weil es aufrichtiger Demut bedarf. Ein stolzes Herz ist daher das größte Hindernis für gute Beziehungen sowohl zu Menschen als auch zu Gott. Da der Stolze seine Versagen nicht (ein)sieht, kann ihm nicht vergeben werden. Er wird Gott selbst in der Hölle noch beschimpfen und die Schuld auf andere schieben.
Vergebung ist etwas Wunderbares und öffnet himmlische Türen und irdische Herzen! Die Welt hätte ein freundlicheres Gesicht, wenn Einsicht, Demut, Umkehr und Vergebung nicht nur gepredigt, gefordert, sondern täglich im Kleinen wie im Großen gelebt wird. Wir laden zu unseren Veranstaltungen ein, ein herzliches und demütiges Miteinander zu pflegen, die Worte des Vaterunsers „und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Mt 6,12“ zu praktizieren, Buße zu tun (siehe Buß- und Bettag) als auch für den Frieden einzutreten (u. a. Friedensdekade) und nicht mit den Finger auf andere zu zeigen (unsere Großeltern wussten das noch). Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Juni/Juli/August

Andacht zum Monatsspruch

Mose sagte: Fürchtet Euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet! (2. Mose 14,13)

Das Volk Israel hatte Ägypten verlassen. Die Sklaverei lag hinter ihnen, der Weg ins gelobte Land erstreckte sich vor ihnen. Doch nun ging es nicht mehr weiter. Der Weg war versperrt, vor ihnen erstreckte sich eine endlose, unüberwindliche Wasserfläche – das Schilfmeer. Und hinter ihnen nahten die Ägypter. Pharao wollte seine Sklaven zurückhaben. Angst machte sich breit unter den Israeliten, Vorwürfe gegen Mose wurden laut. Doch Mose blieb ruhig. In all die Aufregung hinein sprach er die Worte, die uns durch den Monat Juni begleiten sollen: „Habt keine Angst, bleibt ruhig, überlasst Gott das Handeln, er weiß, was zu tun ist!“.
Ruhig bleiben, einen Anderen machen lassen, das ist gar nicht leicht, wenn man das Gefühl hat, dass Gefahr im Verzug ist, dass eine Krise bevorsteht. Mir geht es so, dass ich gerade dann das Gefühl habe, unbedingt selbst etwas tun zu müssen. Und sicher ging das damals auch den Israeliten so, sie wollten kämpfen, fliehen, ihre Kinder und ihre Lieben beschützen. Und Mose verlangte von ihnen, ruhig zu bleiben und zuzuschauen. Schon längst hatte er Gott alles in die Hände gelegt und er hatte ein großes Vertrauen und einen tiefen Glauben zu seinem Herrn.
Mir stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit diesen Worten des Mose um? Für mich wird deutlich: Gott will uns Mut machen! Er will nicht, dass wir in kritischen Situationen die Nerven verlieren oder in hektische Aktivitäten verfallen. Das alles hilft nicht weiter. Eigentlich kommt es dann darauf an, die Probleme an Gott abzugeben und selbst nichts zu tun, still zu sein, Gott sozusagen zuzusehen, ihn machen zu lassen. Aber das geht den meisten gegen den Strich. Nichts tun zu können, geduldig sein zu müssen, kann deprimierend sein. Um uns herum wird ja eher erwartet, aktiv zu sein, die Dinge in die Hand zu nehmen, eben nicht passiv abzuwarten.
Mir fallen da die Zeilen eines Liedes ein, die diese Aufforderung aufnehmen: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ Ein tiefes Vertrauen steckt in diesen Zeilen. Gottes Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Bescheidenheit, sondern von Unglauben! Gott weiß in allen unseren Lebenslagen, was zu tun ist und er hat uns seinen Sohn, Jesus Christus, an die Seite gestellt. Jesus Christus ist der Grund- und Eckstein im Leben jedes Glaubenden. Dieser Stein ist vielfach bewährt.
Wenn man jemandem vertrauen kann, dann IHM! Wer an Jesus Christus glaubt und ihm vertraut, ist weder ängstlich, noch eilig darum bemüht, sich selbst zu helfen! Wer dieses Vertrauen aufbringen und sein Leben in Gottes Hände legen kann, der darf immer wieder zuschauen und mit offenen Augen und offenem Herzen die Rettung erleben, die Gott uns schenkt.
Stefanie Hirsch, Gemeindepädagogin

Hahnenschrei April Mai 2024

Andacht

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. Sacharja 4,6b

Hören und staunen wir: Nicht durch Heer oder Kraft, nicht durch Masse und Befehl, nicht durch Stärke und Waffen wirkt Gott. Menschen und Obrigkeiten arbeiten damit. Gott wirkt hingegen durch seinen Geist, der sanft und friedlich wie eine Taube auf Jesu herabkam. Das Reich Gottes wächst auch nicht durch irdische Methoden. Menschen haben zwar versucht, das Evangelium mit Zwang und Gewalt zu befehlen, aber das hat mehr geschadet als genützt. Äußere Machtmittel erzeugen Heuchler, So-Tun-als-ob, Ja-Sager und Mitläufer. Wieso? Weil das Herz gewonnen und überzeugt werden will durch Liebe und Freiheit!
Wer jemand wirklich liebt, der fragt nicht nach Kosten. Liebe handelt, Egoismus berechnet. Eltern lieben ihre Kinder und nehmen damit verbundene Mühen (meist) gern auf sich. Jesus war ebenfalls bereit, alles für uns herzugeben, - sein eigenes Leben mit 33 Jahren am Karfreitag auf Golgatha freiwillig zu lassen. Respekt!
Jesus vergleicht die Seinen mit etwas Organischem: Wie ein Samenkorn wächst und Gestalt gewinnt, gänzlich ohne Gewalt, so breitet sich auch Gottes Reich aus: nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch Gottes Geist, dennoch kraftvoll und unaufhaltsam. Dies wird zudem durch „Wind“ und „Feuer“ bei der Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingstfest (Apg 2) symbolisiert: Wind ist unsichtbar und weich, doch zugleich kraftvoll und mächtig. Feuer erleuchtet jede Dunkelheit und „brennt“ ansteckend in den Herzen der Jünger Jesu.
Daher ist der Heilige Geist und das Pfingstfest ein wichtiger Schlüssel für den Zugang zu Gott wie Jesus formulierte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3,5). Die Teilnahme an dieser anderen „Wirklichkeit“ bewirkt ein demütiges, inneres Gebet: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Zöllner, Lk 18,13), jedoch nicht äußerliche Werke - so eindrucksvoll diese menschlich sein mögen - wie ein ordentliches Leben, Nächstenhilfe und Erfüllung von Pflichten (vgl. Pharisäer, Lk 18,11). Letzteres ist sehr zu loben, doch für den Himmelszugang nicht das, was Gott sehen will.
Wir brauchen Seinen Geist und „wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lk 11,13). Und dann verändert er uns, sodass innerlich die Frucht des Geistes wächst: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Gal 5,22). Da muss man den Menschen nicht mehr von außen anhalten, endlich friedfertig zu sein oder seinen Nächsten zu lieben, usw., - er tut es einfach! Wieso? Weil er den Heiligen Geist in sich hat. Demnach ist dies das wertvollste und hilfreichste, was wir auch mit Blick auf weltweite Entwicklungen tun können: Menschen mit Gott und seinen Geist in Verbindung bringen.
Der Herr gebe dazu seinen Segen, Pfr. Martin Wappler

Hahnenschrei Februar/März

Andacht

„Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“
2. Timotheus 3,16

Ernst klingen diese Worte, nach Schule, Strafe und dem strengen Lehrer, der nur das Lernziel vor Augen hat, aber nicht unbedingt die Schüler, die es erreichen sollen. Doch sind sie wirklich so gemeint? Dann wäre Gott der strenge Lehrer. Aber dieses Bild ist zu kurz gedacht, denn Gott bringt etwas ganz Entscheidendes mit, etwas, das übrigens auch jeder Lehrer haben sollte – die Liebe zu seinen Kindern. Er will uns nicht Angst machen mit diesen Worten, er will uns den richtigen Weg durch unser Leben, den Weg zu ihm, in sein Reich, zeigen.
Gottes Wort setzt Maßstäbe für ein Leben in Gerechtigkeit, Frieden und Liebe. Drei Dinge sind dabei wichtig: 1. Gottes Wort ist gut! Was wir in der Bibel lesen können, die Maßstäbe und Regeln, die wir dort finden, sind gut und wichtig für unser Leben und das friedliche Miteinander.
2. Gottes Wort ist wahr! Paulus schreibt in seinem Brief an Timotheus, dass die ganze Schrift „von Gott eingegeben“ ist. Das heißt, Gott hat seine Botschaft Menschen in Herz und Geist gelegt, die sie dann weitergesagt und aufgeschrieben haben. Die Worte der Bibel kommen direkt von Gott. Seine Botschaft gibt unserem Leben Richtung und Orientierung. 3. Gottes Wort hat Kraft! Die Kraft, Leben zu verändern. Die Bibel zeigt mir, wo ich falsch liege mit dem, was ich tue und denke. Wo ich Streit säe, statt Frieden zu stiften. Wo ich in der Gefahr stehe, von meinem Weg mit und zu Gott abzukommen. Ich brauche die verändernde Kraft Gottes in meinem Leben. Jeden Tag aufs Neue. Ich brauche die Orientierung, die sein Wort mir gibt.
Manchmal können diese Worte auch zur Zurechtweisung werden, dann spüre ich, dass ich etwas verändern muss in meinem Leben und in meinem Glauben. Lehre und Erziehung sind notwendig, um gut auf ein selbständiges Leben vorbereitet zu sein. Gott will uns durch sein Wort auf ein Leben als mündige Christen vorbereiten. Wir sollen in unserem Leben als Christen Verantwortung übernehmen für uns und andere. Und auch wir können und sollen Gottes Wort nutzen, um andere auf den Weg zu ihm zu führen. Wir sollen ihnen Orientierung geben und ihnen in Liebe begegnen. Allerdings müssen wir uns dazu auch immer wieder ganz bewusst Zeit für Gottes Wort nehmen.
Stefanie Hirsch