Andacht „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Offenbarung 21,5
Wer wünscht sich nicht manchmal in seinem Leben, dass bestimmtes „neu“ werden könnte: eine Situation, eine Beziehung, vielleicht sogar Aspekte an einem selbst oder gar manche Vergangenheit? Mitten in diese Sehnsucht hinein spricht die Jahreslosung, dass tatsächlich etwas neu werden kann. Doch wenn wir nach Veränderung suchen, gerade am Jahreswechsel, meinen wir oft, wir müssten uns mehr anstrengen, optimieren, verbessern und gute Vorsätze endlich einhalten. Aber das Evangelium Jesu Christi nimmt uns diesen Druck. Denn das wirklich Neue kommt nicht aus eigener Anstrengung, sondern es kommt von Gott, von dem, der auf dem Thron sitzt. Derjenige, der gutes Neues schafft, sind also nicht wir, es ist unser liebender Vater im Himmel. 
Das griechische Wort, das hier mit „neu“ übersetzt wird, meint weit mehr als eine Reparatur oder Ausbesserung. Es beschreibt eine tiefgreifende Verwandlung, etwas, das wirklich von Grund auf neu wird. Das lässt sich anschaulich machen mit einem schönem Bild: Eine Raupe wird zum Schmetterling. Die Raupe wird nicht repariert, nicht ein bisschen ausgebessert, nicht optimiert. Sie wird verwandelt. Das Neue ist der Schmetterling, ohne das Vorherige zu verwerfen, - es gehört irgendwie dazu. Genau so meint die Jahreslosung Neuwerden: nicht ein paar Verbesserungen, sondern echte und tiefgreifende Verwandlung.
Manchmal verunsichert es uns, dass wir Gottes Veränderung an anderen oder an uns selbst nicht so sehen, wie wir es gerne hätten. Oft wünschen wir uns sichtbare Zeichen, klare Hinweise, schnelle Ergebnisse. Doch was mich tröstet und mir hilft: gute Veränderungen geschehen selten von heute auf morgen, sondern im Laufe der Zeit. Und solche Veränderungsprozesse beginnen in unserem Inneren, im Herzen. Zunächst verborgen, unscheinbar, unsichtbar – so wie die Verwandlung der Raupe im Kokon – wirkt Gott häufig auch an uns.
Dabei können durchaus manche Höhen und manche Tiefen unseres Lebensweges bewusste Werkzeuge Gottes sein, mit denen er an uns arbeitet, uns formt, uns innerlich reifen und heil werden lassen möchte. Manches an innerer Erneuerung und Heilung können wir schon in diesem Leben sehen und schmecken. Manches aber bleibt zunächst offen, doch es wird, wenn wir eines Tages im Himmel sein werden, seinen krönenden und triumphierenden Abschluss finden. Dann wird die letzte Träne geheilt und jeder Makel beseitigt sein. Und mit dieser Hoffnung können wir zuversichtlich in das neue Jahr gehen: weil wir wissen, Gott kommt mit uns zurecht und hat gute Pläne und Gedanken mit jedem Einzelnen. Er vollendet, was er begonnen hat.
Pfr. Martin Wappler