Passionsandacht Karmontag

Leiden der Seele sind manchmal schlimmer als Leiden des Körpers. Vermutlich kann mancher dies nachvollziehen; vielleicht gerade auch in der aktuellen Zeit psychischer Herausforderung?

So wissen wir etwas vom körperlichen Leiden Jesu aus den Evangelien, aber kaum etwas vom Leiden seiner Seele. Ich kann mir gut vorstellen, wie schmerzhaft es ist, von fast allen verkannt, fehlgedeutet und missverstanden zu werden.

Seine Jünger hatten bis zuletzt nicht kapiert, dass Jesus in Jerusalem getötet und nach drei Tagen auferstehen musste (u. a. Lk 18,34). Wohl kaum einer begriff, dass Jesu Reich nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36), obwohl er von einem anderen Reich sprach: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! (Mt 4,17)“. Die Menschenmenge jubelte ihm bei seinem Einzug am Palmsonntag zu, hofften sie doch, dass Jesus die verhassten Römer vertreibt und für Frieden und Gerechtigkeit in der irdischen Welt sorgt. Als Jesus aber nicht in die Politik eingriff und die diesseitigen Verhältnisse nicht änderte, riefen sie nur wenig später: „Kreuzige ihn! (Mk 15,14)!“. Als Jesus es am Karmontag wagte, rabiate Kritik an den fragwürdigen Diensten im Tempel zu üben (Mt 21,10-17), die von der geistlichen Elite – den Pharisäern, Schriftgelehrten und Hohenpriestern – erlaubt oder zumindest geduldet waren, zog er sich zusätzlichen Hass zu. Denn ihr Messias sieht anders aus, tritt anders auf; er wird ihnen natürlich gehorsam und unterwürfig sein. Verkannt!

Bis heute müssen Jesus und seine Worte für (fast) alles herhalten. Jeder kann sie deuten und interpretieren, wie es ihm gerade passt. Vermutlich kann mit der Bibel alles verworfen oder aber auch alles gerechtfertigt werden, – je nach Blickwinkel und Interpretationskünsten. Fehlgedeutet! Das halte ich bis heute für große, seelische Leiden Jesu: missverstanden zu werden!

Ja, wie ist er denn nun aber zu verstehen? Kein Mensch (leider auch nicht der Papst oder die größten Theologen der Weltgeschichte) kann uns das fassbar erklären, sondern – wie Jesus übrigens ebenfalls angekündigt – der Heilige Geist wird und will uns in alle Wahrheit führen: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten (Joh 16,13).“ Darauf gilt es sich einzulassen: auf den Heiligen Geist!